Sonntag, 31. Januar 2010, 11:00 Uhr, Cinemaxx
in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Filmwochenende Würzburg und WING
unterstützt vom Bayerischen Musikfonds

Experimentelle Stummfilme und Neue Musik live

mit dem Ensemble ascolta, Stuttgart

    Programm

    - "Entr'acte" (René Clair, 1924) Musik: Erik Satie (Bearbeitung: Andrew Digby), 17 min
    - "Vormittagsspuk" (Hans Richter, 1928) Musik: Carola Bauckholt (2008), 7 min
    - “Cien Andalou” (Luis Bunuel, 1929) Musik: Iris ter Shiphorst, 16 min
    - "Vormittagsspuk" (Hans Richter, 1928) Musik: Martin Smolka (2008), 7 min
    - "Entr'acte" (René Clair, 1924) Musik: Martin Smolka, 17 min
    - Studie Nr. 7 (Oskar Fischinger, 1930/31) Musik: Johannes Brahms (Bearbeitung: Andrew Digby), 3 min

Karten sind über den Vorverkauf des Int. Filmwochenendes erhältlich. Es gelten die Preise und Konditionen der Filminitiative Würzburg e. V.

 

“gehörgang ins auge” (Projektbeschreibung)

Stummfilmklassiker mit obligatem Klavier gibt es zuhauf - Versuche, den Filmen ein adäquates musikalisches Pendant zu schaffen, sind eher selten.
In Zusammenarbeit mit der Staatsgalerie Stuttgart entstand zunächst ein Programm mit Auftragskompositionen  von Cornelius Schwehr, Caspar Johannes Walter, Cathy Milliken, Martin Smolka und Gunter Lege, welches im August 2004 im Rahmen der Stuttgarter “Kunstnacht” uraufgeführt wurde. Im Laufe der Jahre kamen neue Werke von Olga Neuwirth, Bernd Thewes, Sven-Ingo Koch, Ludger Brümmer, Oliver Frick und ein Arrangement von Erik Saties "Entracte" von Andrew Digby hinzu.
Die Komponisten wollen den Film bewußt nicht begleiten, sondern zu den eindrucksvollen Filmvorlagen gleichwertige und ergänzende musikalische Gegengewichte schaffen, durch die Visuelles und Akustisches in Dialog oder gar Wettstreit treten können. Die Selbstverständlichkeit, mit der wir üblicherweise Bild und Musik als Einheit wahrnehmen, wird  irritiert, z.B. durch die zweimalige Aufführung desselben Filmes - “Vormittagsspuk” von Hans Richter - mit zwei völlig unterschiedlichen Kompositionen.
Die Kurzfilme mit einer Dauer zwischen 3 und 17 Minuten stammen von  Meistern des frühen experimentellen bzw. dadaistischen Films, Hans Richter, Oskar Fischinger, Viking Eggeling und Walter Ruttmann. Die Künstler waren ihr Leben lang darum bemüht, Musik und Rhythmus in Form von bewegten Bildern auf die Leinwand zu projizieren. Die Werke reichen vom kubistisch-abstrakten "Rhythmus 23" (Richter), bis zur heiter-verspielten "Studie Nr. 7" (Fischinger), gesetzt zum Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms.
Das bereits erweiterte Programm wurde im Januar 2006 für ZDF/ARTE im ZKM Karlsruhe produziert und mehrfach ausgestrahlt. Weitere Konzerte folgten und folgen etwa beim Festival Ultraschall in Berlin, beim MDR-Musiksommer Leipzig und bei den Tagen für zeitgenössische Musik Dresden-Hellerau, eine zweite Produktion für ARTE mit neuen Werken und eine  Serie von Konzerten fand im November 2007 statt. Einen neuen möglichen Schwerpunkt innerhalb des Programms bildet der legendäre Film “Entr'acte" von René Clair und Francis Picabia - zum einen mit der Originalmusik von Erik Satie (arrangiert für ascolta von Andrew Digby), zum anderen mit der Neukomposition von Martin Smolka (2008).

Das Stuttgarter Ensemble ascolta
wurde 2003 von sieben Musikern, die sich durch langjährige Zusammenarbeit in verschiedenen kammermusikalischen Formationen kannten, mit dem Ziel gegründet, hervorragende neue Partituren zu ermöglichen, sie angemessen zu erarbeiten und aufzuführen.
Die Stammbesetzung mit ihrer Konzentration auf Blech- und Schlaginstrumente beschreitet in der Ensemblelandschaft neue Wege. Mittlerweile sind über 50 neue Werke für
ascolta entstanden, Uraufführungen etwa von Beat Furrer, Isabel Mundry, Chaya Czernowin und Johannes Schöllhorn stehen an.
ascolta ist Gast bei vielen europäischen Festivals für Neue Musik, etwa bei Eclat (Stuttgart), bei den Festivals in Luzern, Huddersfield und Witten, bei “Ultraschall” Berlin, den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik, den Donaueschinger Musiktagen, der “Märzmusik” in Berlin und bei Wien Modern. Daneben stehen regelmäßige Kooperationen mit der Staatsoper Stuttgart  und der Akademie Schloss Solitude.
In Zusammenarbeit mit ZDF/ARTE entstand ein Projekt, das experimentelle Stummfilme der 1920er und 30er Jahre mit zahlreichen neuen Kompositionen, etwa von Martin Smolka, Caspar Johannes Walter und Olga Neuwirth, kombinierte, und das in den kommenden Jahren international aufgeführt werden wird.
Die programmatische Spannweite des Ensembles reicht von der klassischen Moderne über theatralische Konzepte der Fluxus-Generation bis zum Grenzbereich zwischen Neuer Musik und Rock – etwa bei einem Projekt mit späten, experimentellen Stücken von Frank Zappa. Eine CD mit Ersteinspielungen bisher unveröffentlichter Werke erscheint 2008, Auftritte bei verschiedenen Festivals mit weiteren Uraufführungen sind in Planung. 
Jenseits seiner Auftritte auf der Konzert- und Opernbühne ist
ascolta bestrebt, künstlerische Anliegen auch breiteren Publikumsgruppen nahe zu bringen. Im Rahmen des von der Kulturstiftung des Bundes geförderten “Netzwerk Süd” arbeitet das Ensemble mit Schulklassen und anderen nicht-professionellen Gruppierungen.
ascolta
kooperiert regelmäßig mit den Stuttgarter Neuen Vocalsolisten und der Institution “Musik der Jahrhunderte, in deren Proberäumen am Pragsattel das Ensemble arbeitet.

 

Einzelbiographien

Erik Borgir (*1965) (Violoncello)
Sohn norwegischer Musikereltern, verbrachte seine Kindheit in den USA. Nach Studien der Musik und Biologie in Ohio (Steven Doane), Boston (David Wells) und Houston/Texas, wo er als Assistent von Prof. Shirley Trepel eine Klasse an der Musikhochschule betreute, wurde er vom “International Institute of Education” für eine Konzertreise nach Europa ausgewählt. Es folgte 1991 die Übersiedlung nach Deutschland.
Im Vordergrund seiner Aktivitäten stehen die Kammermusik und die Neue Musik. Seit 1995 spielt er im Emanon Trio
, mit dem er diverse Preise gewonnen hat, u.a. den ersten Preis beim Internationalen Johannes- Brahms-Wettbewerb in Österreich. Konzerte in vielen der großen Säle Deutschlands folgten.
Mit dem Ensemble Varianti war der Cellist im In- und Ausland an zahlreichen Uraufführungen sowie Radio- und CD-Produktionen beteiligt. Er ist Gründungmitglied von ascolta.
Erik Borgir gastiert regelmäßig mit dem Ensemble Modern und dem ensemble resonanz und ist Solo-Cellist des Bayerischen Kammerorchesters.

Andrew Digby (*1967) (Posaune)
lebte bis zu seinem 18. Lebensjahr in Sheffield. Er spielte sehr früh Klavier, begann nach langjährigem Wunsch mit 10 Jahren Posaune zu spielen und fing mit etwa 14 Jahren an zu komponieren.
Er studierte 1986-1990 am Royal Northern College of Music in Manchester (Posaune bei Chris Houlding, Peter Gane und Andrew Berryman). Danach verbrachte er ein Jahr in London als Discographer beim MCPS/National Sound Archive.
Von 1991-95 studierte er Komposition bei Mathias Spahlinger an der Musikhochschule Freiburg. Seit 1995 tritt er mit renommierten Ensembles für Neue Musik in Deutschland und im Ausland auf: Langjährige Zusammenarbeit verbindet ihm mit SurPlus, ensemble recherche, Ensemble Aventure, Kammerensemble Neue Musik Berlin, Ensemble Modern, MusikFabrik, Apartment House, Ensemble aisthesis, Klangforum Wien und Ensemble Resonanz. Neben ascolta ist er Mitglied des composers slide quartet:
www.composersslidequartet.com.
Als Komponist erhielt er 1997 ein Stipendium der Akademie der Künste Berlin und der Heinrich-Strobel-Stiftung des SWR. Beim Kompositionspreis der Stadt Stuttgart 1997 erlangte er einen zweiten Platz. Seine Werke wurden unter anderem beim Huddersfield Contemporary Music Festival und beim Festival ex negativo (Rundfunk Sinfonie Orchester Berlin) aufgeführt. Er schrieb Auftragswerke für das Schlagquartett Köln, Sebastian Berweck, ensemble recherche und Ensemble Aventure.
Seine Erfahrung als Komponist stellt Andrew Digby auch ascolta zur Verfügung. Er hat z.B. Werke von Klaus Huber, Erik Satie und Frank Zappa für ascolta arrangiert und ist an der konzeptionellen Arbeit und den Programminhalten des Ensembles in besonderer Weise beteiligt.

Florian Hoelscher (*1970) (Klavier)
studierte bei Robert Levin, Michel Béroff und Pierre-Laurent Aimard in Freiburg, Paris und Köln. Nach frühen Wettbewerbserfolgen entwickelte er eine ausgedehnte Konzerttätigkeit als Solist und Kammermusiker in den meisten europäischen Ländern sowie den USA.
Er ist Gründungsmitglied des Stuttgarter Ensembles ascolta. Häufige Einladungen erhielt er auch vom Ensemble Modern, dem Ensemble Aventure und dem Ensemble “Musikfabrik”. Als Solist arbeitete er mit Dirigenten wie Peter Eötvös, Christopher Hogwood, Dominique My, Mark Foster, Kaspar de Roo, Joseph Swensen und Stefan Asbury; zu seinen Kammermusikpartnern gehören u.a. Rainer Kussmaul, Jean-Guihen Queyras, Chen Halevi und Christian Hommel.
Mit Soloprogrammen war er Gast u.a. beim Festival « Présences » (Radio France, Paris), beim Festival « Eclat » in Stuttgart, beim Bartok-Festival Szombathély/Ungarn, im Pariser IRCAM (Festival Agora), im Großen Sendesaal des WDR Köln, im Théâtre du Châtelet Paris, in der Tonhalle Zürich, in Genf, Luxemburg, Neapel und Prag. Ebenso trat er bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen, in der Frankfurter Alten Oper und beim Festival in Paris-Royaumont auf.
Auf CD liegen u.a. Klavierwerke von Robert Schumann, die erste Gesamteinspielung der Klaviersonaten von E.T.A. Hoffmann, B. Martinus « Toccata e due Canzoni » (Leitung : Christopher Hogwood) und Lieder von Dieter Schnebel vor.
Kürzlich erschien die CD-Einspielung der “Miniature estrose” von Marco Stroppa (stradivarius), demnächst folgen CDs mit Solo- und Duo-Werken von Iannis Xenakis (mit Boris Müller, Schlagzeug) und mit Werken von Jonathan Harvey (Neos, mit Pirmin Grehl, Flöte).
Florian Hoelscher lehrt zeitgenössische Klavier- und Kammermusik an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen.

Martin Homann (*1965) (Schlagzeug)
spielt seit seinem 10. Lebensjahr Schlagzeug. 1985 begann er sein Schlagzeugstudium bei Prof. Peter Sadlo an der Hochschule für Musik in München, das er 1992 mit dem Meisterklassendiplom abschloss. 1987 bis 1990 war er Mitglied der Jungen Deutschen Philharmonie und wendete sich zunehmend der Neuen Musik zu.
Seit seinem Studium arbeitete er als Gast mit allen wichtigen Ensembles der zeitgenössischen Musik zusammen (Ensemble Modern, Klangforum Wien u.a.) , was sich in zahlreichen Tourneen und CD-Einspielungen dokumentiert. Seit 1996 ist er ständiger Gast des Münchener Kammerorchesters und spielt regelmäßig mit anderen Kammerorchestern wie der Deutschen Kammerphilharmonie und dem Mahler Chamber Orchestra.
Ebenfalls seit 1996 arbeitet er kontinuierlich als Theatermusiker bei den Münchener Kammerspielen und dem Residenztheater München. Sein starkes Interesse an der Historischen Aufführungspraxis führte seit 2000 zu einer regen Zusammenarbeit mit vielen Ensembles der Alten Musik.
2003 war Martin Homann Gründungsmitglied von ascolta.

Boris Müller *1963 (Schlagzeug)
1991 Abschluß seines Schlagzeugstudiums an der Musikhochschule Trossingen bei Hermann Gschwendtner und Franz Lang. Seit 1990 ist er als freischaffender Künstler vorrangig im Bereich zeitgenössischer Musik tätig. Ständige Zusammenarbeit mit führenden Ensembles der Neuen Musik (Ensemble Modern Frankfurt, Klangforum Wien, Klangforum Heidelberg u.a.).
Gründungsmitglied von ascolta Stuttgart. Seit 2001 Mitglied des Schlagquartett Köln. Entwicklung der Holzschlaginstrumente für die Oper "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" von Helmut Lachenmann. Seither auch als Instrumentenbauer aktiv.
Als Komponist trat er beim Festival Eclat 2005 in Stuttgart mit der Uraufführung seines 1.Schlagquartetts hervor, in dem auch viele seiner neuentwickelten Instrumente Verwendung fanden.

Markus Schwind (*1968) (Trompete)
studierte bei Malte Burba in Mainz, Guy Touvron am Conservatoire Supérieur (CNR) de Paris und bei Markus Stockhausen und Peter Eötvös an der Musikhochschule in Köln.
Seit 2003 ist Markus Schwind Mitglied des Stuttgarter Ensembles ascolta.
Außerdem ist er Gast renommierter Ensembles für Neue Musik, wie dem Ensemble Recherche, der Musikfabrik NRW und dem Klangforum Wien, mit denen er regelmäßig bei großen europäischen Festivals für zeitgenössische Musik konzertiert. Er arbeitete unter der Leitung von Pierre Boulez, Ingo Metzmacher und Heinz Holliger und wirkte bei CD-Produktionen für die Deutsche Grammophon, ECM und Wergo mit.
Als Solist trat Markus Schwind in der Berliner Akademie der Künste, bei den ARD Hörspieltagen im ZKM Karlsruhe, in Japan beim Takefu International Music Festival und mit den Pet Shop Boys auf deren “Potemkin”-Tour und -Album in Erscheinung.
Zusammen mit Organist Martin Bambauer konzertierte er in den Pariser Kirchen St.-Sulpice und Trinité. Im Herbst 2006 erschien ihre gemeinsame CD “Paths - Klangwege” bei dem Saarbrücker Orgellabel IFO.
Markus Schwind unterrichtet am Peter-Cornelius-Konservatorium in Mainz und am Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz.

Hubert Steiner (*1973) (Gitarre)
Studium an der Hochschule für Musik in Würzburg bei Prof. Jürgen Ruck. Noch während des Studiums wurde er im Rahmen des Nachwuchsforums der Deutschen Gesellschaft für Neue Musik als Auswahlinterpret ausgezeichnet. 2002 gewann er den “Kranichsteiner Musikpreis”.Hubert Steiner konzertiert in verschiedenen Kammermusikbesetzungen, wie dem Duo 10 mit der Geigerin Susanne Zapf und dem Ensemble Maderna, das im Jahr 2003 den “Bayerischen Kunstförderpreis” erhielt. Als Gast spielt er in namhaften Ensembles und Orchestern, darunter Ensemble Modern, Klangforum Wien, Wiener Philharmoniker, Bamberger Symphoniker sowie in zahlreichen Opernproduktionen. Außerdem spielte er diverse Rundfunk- und CD-Produktionen ein mit Musik von Anton Webern, Giacinto Scelsi, Olga Neuwirth, Joachim F.W. Schneider, Christopher Brandt, Sebastian Stier u.a. In seinem solistischen Schaffen hat sich Hubert Steiner vor allem auf zeitgenössische Musik spezialisiert. Seit 2002 unterrichtet er an der Hochschule für Musik in Würzburg. Er ist Gründungsmitglied des Ensemble ascolta. 

(Änderungen vorbehalten)

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