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Olivier Messiaen: “Harawi” (1945)
Montag, 16. März 2009, 20.00 Uhr, 
Gebäude an der Residenz, Kammermusiksaal
Karen Leiber -- Sopran, Armin Fuchs -- Klavier
Kleiner Leitfaden durch Harawi:
1. Der junge Mann sieht zum ersten Mal von Ferne das junge Mädchen - die Zeit scheint stillzustehen.
2. Er spricht sie das erste Mal an als "grüne Taube", das Symbol des geliebten Mädchens im alten Peru; das Lied der Vögel umspielt die Szene. 3. Das Gebirge als Symbol der Welt der Emotionen,
die auch Abgründe und schwärzeste Bereiche offenbart, eine Bedrohung ahnen läßt. Singstimme in den tiefsten Lagen; das Klavier malt herabstürzende Felsbrocken und in kristallinen Carillons das Sternengefunkel,
das durch die hohen Baumkronen glitzert. 4. Das Glück der irdischen Liebe: In den Rahmenteilen wird von der Sängerin ein Volkstanz dargestellt: an den Fesseln der Füße kleine Perc.-Instrumente, mit den Silben
"Doun-dou tchil" vertont (im Schlußteil kombiniert mit Vogelgesang); im Mittelteil Spielereien und Neckereien der Verliebten. 5. Liebesduett, in dem der junge Mann das erste Mal das Wort "Tod"
ausspricht. 6. Der alles mit sich reißende Tanz der Planetensysteme: Schreie, Hexenbeschwörungen, Anrufungen aller Elemente, der Sterne, der Winde, der Spiralgalaxien, der Zeit ...
7. Der endgültige Abschied der Liebenden, unterbrochen vom Geläut der Totenglocken. 8. Die Liebe der beiden wird über den Tod hinaus transzendiert: der junge Mann besingt überschwänglich in immer neuen Worten
seine Liebste. 9. Jubel über die Ohnmacht des Todes: der Tod ermöglicht eine neue, unbegrenzte Liebe jenseits von Zeit und Raum. 10. "Duett": Liebeslied und Lied der Nachtigall.
11. Kraftvoll und brutal werden die Gestirne, Atome und Galaxien angerufen, um dem rituellen Opfer der Enthauptung des jungen Mannes beizuwohnen, durch das die Liebenden in Ewigkeit vereint werden.
12. Wie Erinnerungsfetzen, unterbrochen vom fernen Carillon der Glocken, tauchen die Themen der Liebe nocheinmal auf; zurück bleibt die Atmosphäre dieser großen Liebe.
Der Termin des Konzertes ist der Jahrestag der Zerstörung Würzburgs ... Das Glockengeläut in "Harawi - Gesänge der Liebe und des Todes" (1945),
die etwa eine Stunde dauern, findet seine Fortsetzung "draußen", wenn um 21:25 Uhr alle Glocken Würzburgs zu läuten beginnen und einen Bogen spannen von der Kunst bis in die Realität und die Erinnerung ...
Karen Leiber erhielt ihre Gesangsausbildung (1996-2002) an den Musikhochschulen in Köln und bei Prof. Eugen Rabine in Weimar. Bereits zu Beginn Ihres Studiums schrieb Gerald Resch für sie Bruchstücke, die sie in der Österreichischen Gesellschaft für Musik
uraufführte. In Weimar wurde sie Mitglied der “klangwerkstatt” und arbeitete mit Komponisten wie Younghi Paag-Paan (MDR-Mitschnitt), George Crumb (DRadioBerlin) und Hans Tutschku. Sie gastierte außerdem an den Opernhäusern in Weimar, Chemnitz, Dresden/Radebeul und Bielefeld.
Unter der Regie von Götz Friedrich und Rolf Reuters musikalischer Leitung sang Karen Leiber 1999 die Titelpartie in der Uraufführung von Matthus’ Kronprinz Friedrich (3sat).
In Tokio war sie als Regan in Hosokawas Vision of Lear in einer Koproduktion der Münchener Biennale und der 2nd Theater Olympics zu erleben (NipponHK).
Im Opernstudio der Opéra National du Rhin, Strasbourg, wechselte Karen Leiber 2003/04 ins Sopranfach. Mit dem Haus ist sie seither
verbunden. In der Rolle der Sängerin in Boesmans Reigen war sie in Paris/Atnénée, Lausanne und Strasbourg zu erleben (Radio de la Suisse Romande).
Zu ihrem Opernrepertoire zählen u.a. folgende Partien: Puccinis Tosca (Flensburg), Leonore in Beethovens Fidelio (Oldenburg), Saffi in
Strauß’ Zigeunerbaron (Osnabrück), Venus in Wagners Tannhäuser (Würzburg), die Mutter in Humperdincks Hänsel und Gretel (Erfurt).
Mit ihrem Pianisten Armin Fuchs gibt sie seit 1999 Liederabende. Ihr Repertoire reicht dabei von Schumann über Wagner zur klassischen
Moderne und zeitgenössischen Musik. In Würzburg waren sie mit Debussys 5 Poèmes de Baudelaire und Wagners Wesendonck-Liedern zu hören. In Weimar führten sie Wolfgang von Schweinitz’ Papiersterne auf (MDR).
Karen Leiber widmet sich intensiv der Interpretation zeitgenössischer Musik. Zahlreiche Werke wurden für sie geschrieben, u.a. von
Andrea Scartazzini, Mario Wiegand, Ludger Vollmer und René Mense. Gemeinsam mit Adriana Hölszky entstand deren Komposition Monolog für eine Frauenstimme auf CD. Mit der “klangwerkstatt weimar” interpretierte sie Schönbergs Pierrot lunaire. www.karenleiber.com
Seit 1992 arbeitete Armin Fuchs immer wieder mit Sigune von Osten, der von Messiaen bevorzugten Interpretin seiner Werke, zusammen. Im Laufe der Jahre brachten sie alle Gesangs-Zyklen Messiaens zur Aufführung, darunter auch häufig "Harawi" (Tschechien-Tournee,
Intern. Tanztage Dresden, Jubiläumsfestival 2008 in Birmingham).
Bei den Arbeitsphasen hatte Fuchs Gelegenheit, die Probenmitschnitte von Sigune von Osten, Yvonne Loriot am Klavier und Messiaen selbst
zu hören, in denen er sehr detailliert über seine Vorstellungen sprach, das Werk erklärte und Stellen demonstrierte. Dieses dokumentarische Material ist sehr umfangreich und eine reich sprudelnde Quelle der Inspiration,
denn vieles läßt sich allein aus der Partitur nicht erschließen ...
All diese Erfahrungen fließen in die Interpretation mit ein, die somit als authentisch bezeichnet werden könnte.
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